Geschichte der Ägyptenrezeption
Das Themenportal zur Geschichte der Ägyptenrezeption soll einen Überblick über die vielfältigen Forschungen zum Thema bieten.
Unter „Ägyptenrezeption“ (ÄR) werden hier sprachliche, bildliche, materielle sowie performative Referenzen auf die altägyptische Kultur verstanden, die in anderen Kulturen entstanden oder tradiert sind und nicht in erster Linie der wissenschaftlichen Ägyptologie, also dem Bemühen zuzurechnen sind, die altägyptische Kultur selbst so gut wie möglich zu verstehen. Die Ägyptologie selbst kann auch als Teil der ÄR verstanden werden, unterscheidet sich aber von dieser durch ein besonderes Erkenntnisinteresse und die Wahrheitspraktiken der historischen Wissenschaften.
Der zeitliche Rahmen ist abhängig vom jeweiligen Begriff der ÄR. Handelskontakte Ägyptens stehen am Anfang, denn sie führten zu Export, Adaptation oder Neukontextualisierung ägyptischer Formen und Objekte außerhalb Ägyptens. Erste Textzeugnisse finden sich bei Homer oder Aischylos, stehen aber rezeptionsgeschichtlich im Schatten von Herodots Ägyptenbericht. Die ÄR endet nicht mit der Etablierung der wissenschaftlichen Ägyptologie und der Entzifferung der Hieroglyphen im 19. Jh., sondern setzt sich bis heute fort. Die Zahl der Publikationen zur ÄR ist um ein Vielfaches höher als diejenige der wissenschaftlichen Ägyptologie; die esoterische Literatur, Musikvideos, Spielfilme, Videospiele, Belletristik und unterschiedliche Kunstformen erreichen ein Millionenpublikum und selbst die Besuchererwartungen von wissenschaftlichen Ausstellungen und populärwissenschaftlicher Literatur ist zu weiten Teilen von der ÄR geprägt.
In der abendländischen Kulturgeschichte hat die ÄR eine lange und vielfältige Tradition, die sich nicht als einheitlicher Diskurs entwickelt hat. Vielmehr ist Ägypten in diversen Zusammenhängen zum Thema geworden, wenn diese Diskussionen auch häufig miteinander in Beziehung standen. Diese thematische Vielfalt der ÄR und ihrer Teilbereiche wird folglich auch in unterschiedlichen Fachdisziplinen untersucht. Ansätze für einen eigenständigen Diskurs zur ÄR gibt es seit den 60er Jahren, seit der Jahrtausendwende nimmt die Zahl der Publikationen und Forschungsprojekte deutlich zu und momentan scheint sich die Forschung zum Thema in einem Umbruch zu befinden, der durch „digital Humanities“, kollaborative Arbeitsformen, Globalgeschichte, Poststrukturalismus und Postkolonialismus sowie eine stärkere Würdigung der materiellen Kultur und der Popkultur geprägt sind.
Im Zentrum stehen hier die Zeitschrift "Aegyptiaca. Journal of the History of Reception of Ancient Egypt", die seit 2017 online open access erscheint und der Erforschung der Geschichte der Ägyptenrezeption gewidmet ist, sowie die "Encyclopedia of the Reception of Ancient Egypt" (ERAE), die kürzlich die Arbeit aufgenommen hat und in den kommenden Jahren eine umfassende online open access Enzyklopädie erarbeiten wird.
Daneben gibt es weitere akademisch hervorragende Projekte, die wichtige Aspekte der Ägyptenrezeption erforschen:
Egypopcult widmet sich der Ägyptenrezeption in der Popkultur.
Early Egyptian Travel Accounts erschließt die Reiseberichte, die vor der napoleonischen Expedition (1798-1801) veröffentlicht wurden
Antiquitatum Thesaurus: Antiquities in European Visual Sources from the Seventeenth and Eighteenth Centuries insbesondere Modul 1: Ägypten
Wird bald ergänzt…

